Rom heißt Men­sch

Romeo Franz wird nicht müde, sich gegen die fortbestehende Ausgrenzung und Diskriminierung der Sinti und Roma zu wenden. Auch an diesem Abend, in der Begleitveranstaltung zu „Hasan in Pankow“ am 15.Februar 2018. Vom Zuhörerkreis hat man einen direkten Blick auf eine zentrale Säule der Ausstellung, die unter der Überschrift „Ich“ und „Wir“ von Ausgrenzung und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit handelt.

Romeo Franz ist Geschäftsführer der Hildegard-Lagrenne-Stiftung, der ersten deutschen Stiftung der Sinti und Roma, und an diesem Abend noch einmal in besonderer Weise damit konfrontiert. Schülerinnen und Schüler der Reinhold-Burger-Schule in Pankow hatten recherchiert und gaben zwei von den Nazis ausgegrenzten und verfolgten Sinti-Familien aus Pankow ihre Stimmen, eine davon die Großeltern von Romeo Franz.

Eingang zum Denkmal für die vom Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma

Nur wenige Sinti und Roma überlebten den nationalsozialistischen Völkermord, dessen Anerkennung in der Bundesrepublik erst 1982 erfolgte; Ausdruck davon, wie stark die Nachkriegsgeschichte auch durch Kontinuitäten der Ausgrenzung und durch Verdrängung geprägt war. In diesem Klima wuchsen Roma Franz und Dotschy Reinhardt, die Vorsitzende des Berliner Landesrats der Sinti und Roma, auf. Sie erzählten an diesem Abend vom fortwirkenden schmerzlichen Antiziganismus, den sie als Kinder und Jugendliche erlebten, von offener Trauer und unglücklichem Beschweigen in der eigenen Verwandtschaft. Für beide war das nach Jahrzehnten der Einforderung dann 2012 endlich errichtete Mahnmal, für das Romeo Franz die dort zu hörende Melodie komponierte,  Grund zum Aufatmen.

Aber der Antiziganismus ist nicht Vergangenheit, sondern lebt in den letzten Jahren sogar erneut verstärkt auf und hat vor allem die neu zugewanderten Roma aus den südosteuropäischen Staaten, also Migrant*innen,  im Visier. Der Hinweis auf einen Bericht in der BZ vom 4.Juli 2017 mit der Überschrift „Das geheime Roma-Dorf in den Bahn-Ruinen von Pankow“ löste eine lebhafte Diskussion aus.

Die Art der Berichterstattung wurde kritisiert, weil sie Vorurteile aktualisiere und problematische soziale Lagen ethnisiere, also auf die Zugehörigkeit zu „Volksgruppen“ zurückführe. Auf der anderen Seite muss damit umgegangen werden, dass die aus den südosteuropäischen Ländern kommenden Roma – selbst nur Minderheit zwischen allen jenen, die aus diesen Ländern zugewandert sind und zuwandern – zu jenen zählen, die sich in einer sehr prekären Lage befinden und besonders verletzlich sind.

Es geht also – so kann das Gespräch resümiert werden – um Aufmerksamkeit, die nicht diskriminiert, und um fairen Umgang und Unterstützung. Katarina Niewiedzial, die Integrationsbeauftragte Pankows, berichtete, was der Bezirk im „Lokschuppen“-Fall getan hat. Romeo Franz und Dotschy Reinhardt gaben Beispiele dafür, wie wichtig es ist, dass die Selbstorganisationen der Sinti und Roma in diesem Feld tätig werden, weil sie Vertrauen aufbauen, konkrete Unterstützung vermitteln, aber auch Schutz bieten können.

Menschenfeindlichkeit darf nicht hingenommen werden. Hierzu dient auch das Pankower Register, von dem Andreas Thiel von Moskito abschließend berichtete. Das Pankower Register entstand im April 2005 im Rahmen der Umsetzung des Lokalen Aktionsplans Pankow. Seitdem betreut und publiziert die Netzwerkstelle bei Moskito/Pfefferberg  jährlich diese Pankower Chronik rassistisch, antisemitisch, homophob und rechtsextrem motivierter Übergriffe, Vorfälle und Propaganda. Das Pankower Register wird jährlich in der Bezirksvollversammlung vorgestellt und einer breiten Öffentlichkeit über Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit bekannt gemacht. Es besteht, über ganz Pankow verteilt, ein Netzwerk von Anlaufstellen, bei denen Vorfälle gemeldet werden können und Betroffene, sowie Zeug*innen Unterstützung erfahren.

Dotschy Reinhardt – begleitet von einem wunderbaren Gitarristen – rundete den Abend mit drei jazzigen Liedern ab.

WK 18.2.2018

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