Pol­ni­sche Ein­wan­de­rung in Pan­kow: Un­sicht­bar?

Zur ersten Begleitveranstaltung von „Hasan in Pankow“ zum Thema „Polnisches Pankow“ versammelte sich am 18. Januar 2018 ein Kreis von Menschen vor allem polnischer Herkunft, aber es war z.B. auch der Vorsitzende der Bezirksverordnetenversammlung dabei.
Lange Zeit waren die Menschen polnischer Herkunft die Einwanderergruppe mit den höchsten Neuzuwanderungsraten in Pankow. Mit jenen, die polnischer Herkunft sind und die deutsche Staatsangehörigkeit haben, sind die „Polen“ innerhalb der eingewanderten Bevölkerung Pankows die größte Gruppe. Aber weitgehend unsichtbar, wie gegen Ende des Abends die nahezu einhellige Auffassung war. Über die Gründe ihrer Unabauffälligkeit wurden verschiedene Vermutungen angestellt; dass dies auch mit den in der Geschichte der beiden Länder immer schwierigen Beziehungen zusammenhängen könnte, wurde nicht angeführt. Wie überhaupt in der Gesprächsrunde, die Museumsleiter Bernt Roder moderierte, die drei Frauen – unterschiedlichen „Generationen“ der Einwanderung entstammend – eher über geglückte persönliche Geschichten als über Schwierigkeiten und Belastungen, die mit dem Verlassen der ursprünglichen Heimat verbunden sein könnten, berichteten. Lediglich der männliche Gesprächspartner – 1975 als Vertragsarbeiter in die DDR gekommen- erzählte von anfänglichen Schwierigkeiten, was die Wohnverhältnisse betraf, aber vor allem auch in Hinblick auf sprachliche Verständigung. Dies alles erweckte irgendwie den Eindruck, man begegne an diesem Abend vor allem dem etablierten Teil des „polnischen Pankow“. Dass es nach wie vor in erheblichem Umfang polnische Wanderarbeit in Berlin gibt, unter durchaus problematischen Bedingungen, kam nicht zur Sprache; Bezüge zur Ausstellung, in deren Mitte man sich zusammengefunden hatte, wurden nicht aufgerufen.

Alles in allem: ein spannender Abend, aber wohl nur ein Teil der Geschichte, die über die polnische Einwanderung – die historische wie die aktuelle – zu erzählen wäre.

WK 22.01.2018