In­ter­view mit Dr. Wil­fried Kru­se und Dr. Ümit Ko­san

Interview mit Dr. Wilfried Kruse (Sozialforschungsstelle Dortmund zu TU-Dortmund) und Dr. Ümit Kosan (Vorstandsvorsitzender VMDO e.V.)

Wie kamt Ihr auf die Idee zu einer „Onkel Hasan“ – Ausstellung?

W.Kruse:  Ich wollte gerne mal dorthin, wo Ümits Familie herkommt. So haben wir uns im Frühjahr 2013 auf die Reise nach Ostanatolien gemacht, nach Erzinçan.

Ü.Kosan: In Erzinçan ist auch mein Onkel Hasan begraben und seine Frau. Sie haben Jahrzehnte in Dortmund gelebt, aber sie wollten schließlich doch hier beerdigt sein.

W.Kruse: Hasans Grab haben wir damals nicht gefunden, weil es noch keinen Grabstein gab; er war erst ein Jahr zuvor gestorben. Wir begannen, über Hasans Leben in Deutschland zu sprechen, Ümit erzählte, was er wusste. Hasan war der Erste aus der Familie, der nach Dortmund kam. Heute leben ungefähr 40 Familienmitglieder hier. Der Lebensmittelpunkt der Familie ist heute Dortmund.

Ü.Kosan:  So entstand langsam die Idee zu einer Ausstellung. Aber nicht als bloße Erinnerung an meinen Onkel oder an die „Gastarbeiter“ der 1. Generation. Sondern für mich war dies von Anfang an ein exemplarisches Beispiel dafür, was Migration bedeutet und wie Dortmund immer mehr eine Einwanderungsstadt wird.

Wie sieht das Grundkonzept für die Ausstellung aus?

Ü.Kosan: Wichtig ist uns vor allem, dass die Ausstellung ein Bild von Migration vermittelt, wie sie heute ist und wie sie entstanden ist, immer bezogen auf die „Heimat Dortmund“. Deshalb wird die Ausstellung ein zwei Orten stattfinden, die für zwei unterschiedliche Blicke auf die Migration stehen.

W.Kruse: Im Hoesch – Museum steht –was naheliegend ist  – die Geschichte der Arbeitsmigration, am Beispiel von Hasan, im Zentrum. Hier wird also gewissermaßen von der 1. Generation aus geguckt. Im „Haus der Vielfalt“ stehen Leben und Ansichten der 3. Generation, also der jungen Leute, im Zentrum. Beide Perspektiven berühren sich und werden miteinander in Verbindung gebracht.

Wie ist der Stand der Vorbereitungen?

W.Kruse: Zunächst haben wir für die Idee und ihre Förderung geworben. Die Stadt Dortmund hat ein erhebliches Interesse an der Ausstellung; wir denken also, dass sie wirklich im nächsten Jahr zustande kommt. Zugleich recherchieren wir, machen Interviews, sichern Material; damit die Ausstellung lebendig wird.

Ü.Kosan: Besonders wichtig ist uns dabei, dass die Ausstellung nicht als Spezialereignis zur türkischen Migration missverstanden wird. Deshalb laden wir unsere Freunde mit anderer Herkunft ausdrücklich ein, an der Gestaltung der Ausstellung mitzuwirken.

W.Kruse: Hierfür ist das „Haus der Vielfalt“ eine gute Plattform. Es läuft bereits eine Veranstaltungsreihe zur Vorbereitung auf die Ausstellung, zu der alle eingeladen sind.

Braucht Dortmund eine solche Ausstellung?

W.Kruse: Na ja, sie täte gut. Obwohl Dortmund eine wichtige Einwanderungsstadt ist und sich als „Stadt der Vielfalt“ versteht, gab es bisher noch keine größere Ausstellung zum Thema.

Ü.Kosan: Zusammenleben braucht auch eine Vergewisserung darüber, dass Einwanderung eine gemeinsame Geschichte ist.

Rainer Lichte (Industriesoziologeund Stahlexperte)

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