Ho­yers­wer­da: Er­s­te Be­geg­nun­gen

Sonntag, 4. November 2018: Eröffnung der Ausstellung „Hasan und die Enkel“ im Stadtmuseum Schloss Hoyerswerda. Der „Große Saal“ hatte sich mit Stationen und Säulen, mit Videos und Hörstationen in einen Raum der Erkundungen zu Einwanderung verwandelt. Bürgermeister Thomas Delling spann in seinem Grußwort den Bogen von den DDR-Vertragsarbeiter*innen, über die ausländerfeindlichen Übergriffe des Jahres 1991 bis zu den Lehren, die die Stadtgesellschaft daraus gezogen hat. Hoyerswerda heute ist auch: friedliches und respektvolles Zusammenleben mit geflüchteten Menschen. Flucht und Asyl: auch dies ist ein Thema der Ausstellung. Seit sie – von Berlin-Pankow ausgehend – im Osten Deutschlands unterwegs ist, öffnet sie sich immer mehr zur Geschichte und Gegenwart von Einwanderung dort.

Eine Säule in der Ausstellung

Vertragsarbeit in der DDR ist mittlerweile zu einem Schwerpunkt geworden. Eine für Hoyerswerda entwickelte Säule erzählt z.B.:

„Vertragsarbeiter werden jene ausländischen Arbeitskräfte genannt, die aufgrund bilateraler Regierungsabkommen der DDR mit anderen, zumeist sozialistischen Ländern in Ostdeutschland tätig waren. Ende der 1980er Jahre beschäftigte die DDR ca. 190.000 Vertragsarbeiter, was wenig mehr als 1 % der Wohnbevölkerung entsprach. Im Kreis Hoyerswerda lebten 1989 1.965 Ausländer, ein Jahr später noch 995, vorwiegen Mosambikaner, Polen, Ungarn und Vietnamesen. Zuvor arbeiteten in den 1970er Jahren vor allem Polen und Algerier, in den 1980er Jahren Mosambikaner und Vietnamesen im Kombinat Schwarze Pumpe. Ihre Unterkunft hatten sie in der Albert-Schweizer-Straße in Hoyerswerda. Neben den in Schwarze Pumpe Beschäftigten gab es auch Arbeiter im Braunkohletagebau und Schüler der Berufsschule „Salvador Allende“, die aus vielen Ländern stammten.

Zunächst ging es in den Regierungsabkommen darum, die ausländischen Arbeiter in der ostdeutschen Industrie auszubilden. Doch in den 1980er Jahren wurde die Berufsausbildung zunehmend reduziert. Gerade bei den mosambikanischen und vietnamesischen Arbeitern ging es lediglich um die bestmögliche Ausnutzung der Arbeitskraft. Daher wurden ihnen nur die nötigsten Fach- und Sprachkenntnisse vermittelt.

Auch die sozialen Kontakte waren äußerst restriktiv. So war den Arbeitern lediglich ein Heimaturlaub während ihres vier- bis fünfjährigen Aufenthaltes gestattet. Männer und Frauen wurden getrennt untergebracht. Wurden Vietnamesinnen schwanger, standen sie vor der Wahl der Abtreibung oder der Heimreise. (…) Untergebracht waren die Arbeiter in betriebseigenen Wohnheimen. Über die Zimmerbelegung konnten sie nicht frei entscheiden.(…) Gemessen an ihren heimatlichen Erfahrungen empfanden viele Vertragsarbeiter die Wohnheime zunächst als gut. Nachdem sie aber die Wohnungen deutscher Nachbarn gesehen hatten, fühlten sie sich diskriminiert. Ein Pförtner kontrollierte den Zugang zum Wohnheim. Ab 22 Uhr herrschte Nachtruhe. (…) Auch wenn immer wieder deutsche Kollegen, junge Frauen und engagierte Betreuer den Kontakt zu den ausländischen Arbeitern suchten, waren diese durch die zentralisierte Unterbringung faktisch isoliert.“

Videoauf Youtube

 

Vortrag von Emiliano Chaimite, der Vorsitzende der Dresdner Migrantenorganisation

Bei allen Unterschieden werden viele Gemeinsamkeiten zur Arbeitsmigration in Westdeutschland erkennbar. Darauf wies auch Emiliano Chaimite hin, der Vorsitzende der Dresdner Migrantenorganisation afropa und selbst ein ehemaliger Vertragsarbeiter aus Mosambik.

Afropa war Gastgeber der Ausstellung auf ihrer vorherigen Station in Dresden. Aus seiner Sicht trägt eine Ausstellung wie diese ganz wesentlich dazu bei, dass die Zugehörigkeit der Menschen mit Migrationsgeschichte und ihr Beitrag für ein Zusammenleben in Vielfalt öffentlich sichtbarer werden.

WK 06.11.2018

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