Mi­gra­ti­on aus dem Blick­win­kel von Ju­gend­li­chen und jun­gen Er­wach­se­nen (Jun­ge Grup­pe, 07/2015)

Ausstellungsprojekt: Onkel Hasan und die Generation der Enkel

„Onkel Hasan“ ist einer von vielen Arbeitsmigranten/innen, die in den 60er Jahren nach Deutschland kamen. Seine Lebens- und Arbeitsbiografie wird exemplarisch für ausländische Arbeitnehmer in der Stahlproduktion und –verarbeitung im HOESCH-MUSEUM ausgestellt. Die Situation der Enkelgeneration wird als zweiter Teil der Ausstellung im Haus der Vielfalt dargestellt. Diesen Teil der Ausstellung wollen wir hiermit aus unserer Sicht darstellen.

Jugendgruppe
Ümithan Yağmur (l.i. oben) mit Teilnehmer/innen des Onkel-Hasan-Projektes Foto: ECHO

Durch die Breite der Vereinsmitglieder im VMDO e.V. war es möglich, dass sich eine Gruppe von jungen Menschen zusammenfinden konnte, die an der Gestaltung dieses Teils der Ausstellung aktiv mitarbeiten wollte. Es fand sich – unter der Leitung von Ümithan Yağmur – eine Gruppe von elf Jugendlichen zusammen, die sich kontinuierlich an der Gestaltung der Ausstellung beteiligt. Hier wurden die zehn vorgesehenen Stationen, die die Kuratoren zum Thema der „Enkelgeneration“ vorschlugen, bearbeitet und mit eigenen Ideen modifiziert und bereichert.

Die Teilnehmer/innen kamen aus unterschiedlichen Herkunftsländern, hatten unterschiedliche Migrationserfahrungen und die Bildungs- und aktuelle Lebenssituation war teilweise sehr verschieden. Aber eines war allen gemeinsam: Das Leben in Deutschland – konkret in Dortmund.

Drei Enkelkinder von Onkel Hasan beteiligen sich in der Gruppe; sie freuten sich im Namen ihres Opas, dass so eine Ausstellung in Dortmund durchgeführt werde: „Onkel Hasan hätte sich sehr gefreut, dass so viele junge Menschen aus verschiedenen Nationen, Ethnien und Religionen sein Leben als Vorbild nehmen und die Geschichte seines Lebens zum Nachdenken anregt“, so formuliert es Ferda Koşan-Yıdırım.

Die Auseinandersetzung mit der Ausstellung hat es ermöglicht, den Blick der Arbeitsmigration zu erweitern auf unterschiedliche Gründe für die Einwanderung nach Dortmund und die unterschiedlichen Erfahrungen, die damit verbunden sind. Ihre Beurteilung der Gruppenarbeit können sie folgendermaßen zusammenfassen: „Die Arbeit im Haus der Vielfalt hat uns sehr geholfen, unser Gedankenspektrum zu erweitern und unsere eigene Situation besser zu verstehen“. Dazu hat auch eine Exkursion zum Haus der Geschichte in Bonn mit der Ausstellung „Deutschland wird bunter“ beigetragen.

Eine Teilnehmerin (Tülin Engüdar) fasst ihre Erfahrung folgendermaßen zusammen: „Für mich hat das gesellschaftspolitische Engagement einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben. Ich finde es sehr wichtig, dass jeder Mensch in unserer Gesellschaft partizipieren kann, und deshalb bin ich ehrenamtlich aktiv. Das Projekt Onkel Hasan ermöglicht es mir, nahezubringen, wie alltäglich das gelebte Leben der Enkelgeneration ist und nicht – wie oftmals wahrgenommen – fremd ist. Da in unserer Gesellschaft die Diskriminierungen und der Alltagsrassismus leider noch allgegenwärtig ist, fällt uns Jugendlichen eine besondere Aufgabe zu, nämlich die Aufklärung und das Thematisieren von zum Teil tabuisierten Themen.“

Tülin Engüdar, Nadine Al Ghawi, Ferda Koşan-Yıdırım, Jessikha Sivakumar, Ümithan Yağmur

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