„Die Kri­se sitzt auf ge­pack­ten Kof­fern. In Ber­lin wer­den zur­zeit vie­le Kof­fer aus­ge­packt“

Eine Demonstration junger Europäer*innen in Berlin – Foto von Il Mitte

So begann am 1.10. 2011 ein Artikel aus dem Tagesspiegel mit der Überschrift „Junge Europäer suchen ihr Glück in Berlin“. In der Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Hasan in Pankow“ am 1. Februar 2018 im Museum Pankow zu „Junges Europa in Pankow“ waren die gut 30 Besucher*innen immer wieder mit der Frage konfrontiert, wie sich der starke Zuzug junger Europäer*innen nach Berlin und insbesondere auch in den Bezirk Pankow erklärt. Bei Cristina Faraco aus Spanien und Serena Palomba aus Italien – beide schon etliche Jahre in Berlin – war es wohl mehr der Wunsch, andere Länder und Kulturen kennenzulernen und die Attraktivität der Stadt, die sie nach Berlin brachten. Sie gehören wohl eher zur „Erasmus“- Generation, die Lust auf Europa hatte.

Beide – zusammen mit anderen „Landsleuten“ sozial in Berlin engagiert – berichten aber, dass nach ihnen, also nach Ausbruch der Krise in den südlichen europäischen Ländern, viele gekommen seien, die der dortigen Chancenlosigkeit entfliehen wollten, aber zugleich auch schlechtere Voraussetzungen und Vorinformationen mitbrachten, um in Berlin Fuß fassen zu können. Das unterstrich auch Rosario Jiménez von der spanischen Botschaft, die sich intensiv um Neuankömmlinge aus Spanien kümmert. Alle beobachten bei den neu Zugewanderten verschiedenen Alters Ernüchterung über die Schwierigkeiten auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt, Enttäuschungen und enttäuschte Rückkehr.

Uli Schieszl vom Welcome Center Pankow, der Anlaufstelle des Bezirksamts für Neuzugewanderte, nannte einen wichtigen Fakt, der die Lage vieler neu zugewanderter EU-Bürger*innen ausmacht, beim Namen: sie berichtete von prekären Arbeitsverhältnissen, Bezahlungen unterhalb des festgelegten Mindestlohns, fehlender Versicherungen… Prekäre Arbeit – darin waren sich alle einig – ist eines der Merkmale der Lage vieler neu Zugewanderter der „Krisen-Generation“.

Ein italienisches Café in Berlin 1904 – Foto in der Ausstellung „Hasan in Pankow“

Dem pflichtete auch Elettra De Salvo – Schauspielerin, Moderatorin, Coach – aus den Erfahrungen ihres sozialen Engagements bei. Als überzeugte und langjährige Bürgerin Pankows entdeckte sie aber auch die lange Geschichte italienischer Einwanderung nach Berlin und in den Nordosten der Stadt und fand die Spuren heraus, die sie architektonisch, aber auch in Kultur und Lebensweise hinterlassen hat und auch heute noch hinterlässt. Eine kleine Fotoschau machte dies jedenfalls für heute und die Geschäfts- und Restaurantszene Pankows sehr anschaulich. Schließlich wurde in der abschließenden Runde – auch am Beispiel der von Cristina Faraco gemeinsam mit anderen gegründeten Organisation La Red – deutlich, wie wichtig Migrantenorganisationen als Unterstützung, gemeinsamer Ort und Stimme für Neuzugewanderte sind.

WK 04.02.2018

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